Der Schwarze Kanal
Gegründet 1947 Montag, 19. August 2019, Nr. 191
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11.05.2019 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Die Realität hat mich zur Feministin gemacht«

Gespräch mit Annette C. Eckert. Über ihren unbekannten Vater, die Entwicklung als radikale Linke und Journalismus mit Humor

Matthias Reichelt

Frau Eckert, Sie sind im Februar 1946 in Berlin geboren. Sie wurden demnach also im Mai 1945 gezeugt?

Ja, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 in Berlin. Meine Mutter lebte ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben. Ihr Vater war Diplomat und kannte unter anderem Alexandra Kollontai, Botschafterin der Sowjetunion in Schweden und Norwegen. Meine Mutter und ihre Geschwister besuchten die Montessori-Schule in Oslo. Sie hat meinem Bruder und mir beigebracht, wie man sich klug und aufrichtig verhält. Russische Literatur, Kunst und Malerei wurden mir vermittelt – aber ich erfuhr nie, warum.

Was für einen Beruf übte Ihre Mutter aus?

Sie war Bibliothekarin in der Charité in Berlin und immatrikulierte sich für Medizin. Sie nutzte den Luftschutzdienst für ihr Studium und bestand das Notexamen. Der einzige mir bekannte Nazi aus der Familie denunzierte sie, so dass ihre Prüfung nicht anerkannt wurde.

Weshalb wurde sie angezeigt?

Das weiß ich nicht. 1958 wiederholte...

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