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16.04.2019 / Feuilleton / Seite 10

Abschiebung mit Stoßzahn

Die letzte macht das Licht aus: Hans Henny Jahnns »Medea« am Schauspiel Köln

Hans-Christoph Zimmermann

»Kann ich das Bild zerstören, das ich selbst geschaffen?« schleudert Medea dem Ehebrecher Jason ins Gesicht. Es ist ein Ehekrach, wie er in den besten Familien vorkommt. Beide tragen Jeans, das Bier in der Hand und dann wird geblökt. Doch so heutig ist der Streit nicht. Die mit magischen Kräften vertraute Medea hat den Alterungsprozess Jasons aufgehalten, ihn ins Bild eines hellblonden jungen Mannes gebannt, mit dem sie zwei hellblonde Jungen gezeugt hat. Hat sich also die Kolcherin und »Barbarin«, wie Kreon sie später rassistisch nennt, lauter kleine blonde Klone geschaffen?

Eine von vielen dunklen Spuren in Robert Borgmanns an Rätseln nicht armen Inszenierung von Hans Henny Jahnns »Medea«-Adaption (1926), die am vergangenen Freitag am Schauspiel Köln Premiere hatte. Einer Bearbeitung, die die Titelheldin im Figurenverzeichnis als »Negerin« aufführt und den Rassismus beim Namen nennt. Jahnns Menschenbild ist extrem kreatürlich. Rationalität, Vernunft, Ku...

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