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19.03.2019 / Inland / Seite 2

»Einzelfälle werden verzerrt und übertrieben«

Aufregung über Sicherheitsverwahrung in Berlin zeigt Fallstricke von bou­le­var­desk geführten Debatten. Ein Gespräch mit Manuel Mika

Oliver Rast

Anfang März ist ein in der Sicherungsverwahrung der JVA Berlin-Tegel Untergebrachter von seinem Ausgang nicht zurückgekehrt. Das Medienecho war enorm. Wie haben Sie die Berichterstattung wahrgenommen?

Fast reflexartig lief das ab, was der Kriminologe Stanley Cohen in den 1960er Jahren als »Moral Panic« beschrieb: Einzelfälle werden verzerrt und übertrieben, um eine Bedrohung für die Ordnung unserer Gesellschaft zu konstruieren. Die Typisierung als »gefährlicher Vergewaltiger« oder »Schwerstverbrecher« ist scharf zu verurteilen. Auch wenn die Anlasstat für die Sicherungsverwahrung eine Vergewaltigung gewesen ist, liegt diese immerhin über 18 Jahre zurück (2001 wurde das Urteil gesprochen, seit 2011 bestand Sicherheitsverwahrung; jW). Gegen das medial erzeugte Bild eines unverbesserlichen Triebtäters sprechen nicht zuletzt die 191 Ausgänge des Mannes, die ohne Beanstandung verliefen. Fälschlicherweise berichteten einige Medien, der Untergebrachte sei gefloh...

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