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09.03.2019 / Feuilleton / Seite 11

Avantgarde, aber auf Augenhöhe

Feminismus und Migration, radikale Werke: Der türkischen Künstlerin Nil Yalter wird die erste Retrospektive zuteil, ab heute im Kölner Museum Ludwig

Hannes Klug

Im Jahr 1974 erfuhr die türkische Künstlerin Nil Yalter in ihrem Wohnort Paris vom Frauengefängnis La Roquette im 11. Arrondissement. Anhand von Zeugnissen einer ehemaligen Insassin, die im Kunstwerk den Namen Mimi trägt, begann Yalter, gemeinsam mit ihrer Künstlerkollegin Nicole Croiset außerhalb der Gefängnismauern Videos zu drehen, in denen Menschen in ritualisierter Form Alltagsgegenstände tauschen. Diese Transaktionen wiederum nahm Mimi in Interviews zum Anlass, in Form eines nüchternen Berichts ihrer persönlichen Erfahrungen das Gefängnis in allen Facetten als Ort struktureller Entmenschlichung aufzuschlüsseln. Auszüge der Texte finden sich handgeschrieben auch auf 32 stilisierten Fotografien und Zeichnungen, das ganze Protokoll ist als Fließtext nachzulesen.

»La Roquette, Prison for Women« ist, wenn man so will, eine künstlerische Vorwegnahme von Foucaults »Überwachen und Strafen« (1975) unter feministischem Blickwinkel und eine frühe, elaborierte ...

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