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16.01.2019 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Fememord

Leo Schwarz

Femegerichte (vom mittelhochdeutschen veime: Strafe) waren im Mittelalter ad hoc gebildete Sondergerichte, die außergewöhnliche und schwerwiegende Straftaten aburteilten. Als sich die radikale deutsche Rechte nach 1918 in der altgermanischen Requisitenkammer bediente, wurde auch dieser Begriff wieder entstaubt: Nun trat ein Femegericht dann zusammen, wenn ein »Verräter« aus den Reihen irgendeiner der zahlreichen, halb oder ganz getarnten Untergrundorganisationen abzuurteilen war.

Bei einem Schuldspruch folgte unweigerlich die Todesstrafe – in einem abgelegenen Wäldchen oder auf einem ostelbischen Gutshof fand dann statt, was in der Öffentlichkeit ab etwa 1925 als »Fememord« diskutiert wurde. Damals hat der sozialdemokratische Vorwärts einen im Mai 1923 in Magdeburg erlassenen »Femebefehl« dokumentiert: »Die Leitung hat sich angesichts des überhandnehmenden Spitzeltums entschlossen, eine sogenannte Feme zu bilden. Die Aufgabe der Feme ist es, der Leitung V...

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