Gegründet 1947 Donnerstag, 20. Juni 2019, Nr. 140
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05.01.2019 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Der Wert der Unwahrheit

Bla, bla, bla, Relotius. Was die Reportage kann, und wie leicht man zum Fälscher wird. Eine kleine Erinnerung

Egon Erwin Kisch

Debüt beim Mühlenfeuer

Auf der Börse (Treffpunkt der Prager Journalisten, jW) war man unzufrieden, weil meine Zeitung als Nachfolger des Herrn Melzer, der mit den rangältesten Polizeibeamten die Schulbank gedrückt hatte, einen so jungen Hund wie mich entsandte. In der Redaktion war ich nur ein Reporter. (…)

Mein neuer Beruf schien mir kinderleicht zu sein. Ich hatte auf der Polizei und auf unserer Börse Nachrichten zu holen und sie zu stilisieren, je mehr ich sie durch plaudernde Wendungen ausschmückte, desto mehr hatten sie Anspruch, als Schmucknotizen gewertet zu werden, die man zwar Schmocknotizen nannte, aber immerhin – wie man gesehen hat – eher einen anerkennenden Nachdruck fanden als ein simpel berichtetes Faktum.

So machte ich meine Arbeit bis zu der Nacht, in der ich mich zum erstenmal an einem Schauplatz erproben sollte. Die Schittkauer Mühlen standen in Flammen. Ich rannte hin. Das Feuer war im Begriff, den ganzen Komplex der Mühlen, ein Wahrze...

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