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20.12.2018 / Thema / Seite 12

Aus den Augen, aus dem Sinn

Die ungarische Regierung unter Viktor Orbán kriminalisiert Obdachlose. Sie sollen in Notunterkünfte gezwungen werden – von denen gibt es aber viel zu wenige

Balint Misetics

»Wie eine Serienmörderin haben sie mich hier hergebracht!« sagt die Frau während der Gerichtsverhandlung. Sie gehört zu den ersten, die in Ungarn einem Richter vorgeführt werden, weil sie auf der Straße leben. Absurd mutet an, wie sie beteuert, sie sei nicht vorsätzlich obdachlos. Denn der Richter sieht die Frau bloß auf einem Bildschirm. Jenen, die in Ungarn wegen Obdachlosigkeit angeklagt sind, ist untersagt, persönlich vor Gericht aufzutreten. Sie sitzen zwar im gleichen Gebäude, aber in einem anderen Saal. Mit dem Richter kommunizieren sie per Kamera, mit ihren Verteidigern können sie sich nur über ein Telefon verständigen. Ähnlich absurd wirkt es, dass der Gerichtssekretär die Versicherung der Frau, nicht obdachlos bleiben zu wollen, als »mildernden Umstand« anführt. Deshalb erhält sie bloß eine Verwarnung. Die frühere Beamtin war nach einer Scheidung auf der Straße gelandet. Nach der Verhandlung kehrt sie wieder in den öffentlichen Park zurück, in ...

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