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15.12.2018 / Thema / Seite 12

Das zerschossene Kaleidoskop

Vor 100 Jahren veröffentlichte Karl Kraus den Epilog von »Die letzten Tage der Menschheit« – eine unbedingt zu lesende Zumutung

Jürgen Roth

Dieses Gesocks. Dieses Geschmeiß. Diese Brut. Dieses Pack.

Sofern die von unserer prangenden Pressbande nimmermüd’ wiederholte Behauptung, unsere unvermindert strahlende Staats- und Weltlenkerin denke »die Dinge vom Ende her«, richtig sein sollte, steht es uns im Falle der vielleicht noch etwas bedeutenderen »Letzten Tage der Menschheit« von Karl Kraus auch an, die Angelegenheit vom Ende her aufzuzäumen zu versuchen.

Nach mehr als zweihundert Szenen und (im originalen Druckbild) über sechshundert Seiten lässt Karl Kraus im finalen Tableau, einem »weltentrückten Mulatschak aus Alkohol und Blut, aus Wienerlied und Granatendonner« (Zeit 29/2018), den toten Wald (»Alles ist zerschossen, abgehauen und abgesägt«) als »Erscheinung« auftreten und sagen: »Fluch euch, die das mir angetan! / Nie wieder steig’ ich himmelan! / Wie war ich grün. Wie bin ich alt. / Ich war ein Wald! Ich war ein Wald!« Und kurz danach beschließt ein »phosphoreszierender Schein« dieses hö...

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