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09.10.2018 / Feuilleton / Seite 10

Neue Liebe wie ein neues Leben

Spiellust, Wachheit, Angriffslust: Vorübergehend gibt es ein »Theaterchen« in Berlin-Mitte

Erik Zielke

In den 50er Jahren machte Bertolt Brecht deutlich, was die Jetztzeit den darstellenden Künsten abverlange: Es sei die Stunde für »Theaterchen«, »kleine bewegliche Formen«. Kurz vor seinem Tod formulierte Brecht diese Utopie eines eingreifenden Theaters – eines schnellen, angriffslustigen Mediums, lebendig durch Unmittelbarkeit, Reaktionsfreudigkeit und Wandlungsfähigkeit. Das Theater in der DDR nahm eher einen anderen Weg, Brechts Vermächtnis fiel bald einer Musealisierung anheim.

Im saturierten Berlin-Mitte gibt es nun eine neue Bühne. Nicht weit von Berliner Ensemble und Friedrichstadtpalast befindet sich im dritten Stock des Admiralspalasts an der Friedrichstraße die Neue Liebe. Ist auf der riesigen Bühne der Vergnügungsstätte vor allem die leichte Muse beheimatet, wartet das für zwei Monate eingerichtete Kleintheater mit anspruchsvollem Programm auf. Hier werden Texte von Joseph Conrad, Thomas Mann und Ingrid Lausund sowie eigene Stückentwicklungen au...

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