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24.09.2018 / Feuilleton / Seite 11

Zum Schwelgen war kein Anlass

Ritual, Zeit und kompositorische Vernunft: Rückblick auf das Musikfest Berlin

Kai Köhler

Kaum ein Ritual, vom Gottesdienst bis zur olympischen Medaillenverleihung, kommt ohne Musik aus. Sie ist in diesen Fällen Bestandteil von Lebenspraxis. Das ändert sich, wenn Rituale Thema der Kunstmusik werden. Auf welche Weisen das möglich oder unmöglich ist, war ein Schwerpunkt des Berliner Musikfests (31.8.–18.9.).

Zum Auftakt spielte die Staatskapelle Berlin Strawinskys »Le Sacre du Printemps«. Ursprünglich als Ballett komponiert, ist diese Komposition heute häufiger auf dem Konzertpodium zu hören. Dabei bleibt die unangenehme Handlung im Bewusstsein: Nach einer Reihe von Zeremonien wird ein Mädchen als Frühlingsopfer dargebracht. Für das bürgerliche Publikum im Uraufführungsjahr 1913 war dies ein primitivistischer Nervenreiz; das Publikum heute kann bewundern, mit welcher Verfeinerung der Mittel Strawinsky den Gewaltakt fasste. Daniel Barenboim ließ sein Orchester jedes dieser Details sehr klangschön herausarbeiten. Erkauft war dies mit einer gewisse...

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