09.08.2018 / Thema / Seite 12

Brüder, die schweigen

Neonaziterror und Staatsräson, zweierlei dubiose Zeugen und die »Dramaturgie einer großen Zicke«. – Ein Rückblick auf fünf Jahre NSU-Prozess

Claudia Wangerin

Die Fotografen konnten von Beate Zschäpe nicht genug kriegen. Zu Beginn der Verhandlungstage wurde fleißig auf die Auslöser gedrückt, sobald sie den Saal A 101 des Oberlandesgerichts München betrat. Mehr als fünf Jahre lang. Verglichen mit Aufnahmen von Neonazidemos und Rechtsrockkonzerten, lag sie rein optisch weit über dem Durchschnitt der dort versammelten »Herrenmenschen«. Angeklagt als Mittäterin bei zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und 15 Raubüberfällen sowie wegen der finalen Brandstiftung in der eigenen Wohngemeinschaft, die dazu dienen sollte, Spuren zu verwischen, stand Zschäpe im Mittelpunkt des NSU-Prozesses. Die Bundesanwaltschaft hatte sich in der Anklageschrift festgelegt, dass die terroristische Vereinigung »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) nur drei Mitglieder gehabt habe, von denen zwei nicht mehr lebten. Zschäpes Mitangeklagte Ralf Wohlleben, André Eminger, Holger Gerlach und Carsten S....

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