12.12.2002 / Feuilleton / Seite 12

Asketische Haltung

Große Tote 1: Die Grünen sind weniger lebendig als ihr verstorbener Vordenker Ivan Illich

Günter Platzdasch

Montag letzter Woche starb Ivan Illich (76), der seit Jahren keine Interviews mehr gab, in Bremen.

Der Einzug der Grünen in Ministerien war begleitet vom Verzicht auf die einst üblichen Ivan-Illich-Zitate in ihren Reden. Der neue Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und der hagere Grünen-Vordenker Illich kontrastierten nicht nur körperlich. »Selbstbegrenzung – Eine politische Kritik der Technik« war 1979 Grundlage grüner Zivilisationskritik. Anfang Dezember 1981 hörte ich, in Frankfurt am Main während des Kampfs gegen die Flughafenerweiterung, einen Vortrag Illichs über die Ökologie des verlorenen Raums, in dem er gegen den »Irren-Raum« zwecks »Verwa(h)rung« des Individuums stritt. Er argwöhnte, die gerade entstehende grüne Bewegung hoffe, eines Tages den Irrenraum ökologisch verwalten zu können.

Der elfsprachige Vegetarier Illich war Multikulti in Person: geboren in Wien als Sohn eines katholischen Kroaten und einer deutschen, lutherisch getauften Jüdin ...



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