28.07.2018 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Zur Macht verkommen

Betrachtungen eines Vorachtundsechzigers, der mit 83 Jahren immer noch kein Nachachtundsechziger werden mag

Otto Köhler

Der Fries wurde in neuerer Zeit als Mittel künstlerischer Gestaltung allzuwenig beachtet. Ein bemerkenswerter Wandfries befindet sich an der Frontfassade über dem Haupteingang zum Schloss Bellevue, seit 1994 erster Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten. Dieser Fries, unter dem das jeweilige Staatsoberhaupt hindurchschreitet, um – mit militärischen Ehren empfangen – seinen Dienstort zu übernehmen, besteht aus einer mäandernden Abfolge eindrucksvoller Swastiken, jenen uralten indischen Glückssymbolen, die im Deutschland neuerer Zeit als Hakenkreuze ortsansässig wurden.

Einen konkreten, ja entschlossenen Ausdruck dieser eher eine abstrakte Gesetzmäßigkeit verkörpernden Bellevue-­Zierde fand 1965 Ulrich Baehr, Mitglied der Künstlergruppe »Großgörschen 35«, mit seinem Gemälde »Fries für Liebhaber«. Baehr fasst darin die – dank des Artikels 131 Grundgesetz – auch von Amtsstellen auf jeder Ebene sorgfältig beachtete Kontinuität zwischen dem Dritten Reich u...

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