06.07.2018 / Thema / Seite 12

Mit Pauke und Gummiknüppel

In kaum einer anderen Kunstform drückte sich die Proteststimmung der 1960er so deutlich aus wie im politischen Kabarett. Aber die Hoffnungen auf eine Aktivierung der Zuschauer erfüllten sich nicht

Jürgen Pelzer

Um die Studentenbewegung und die immer stärker werdende Proteststimmung der 1960er Jahre zu verstehen, muss man in die späten 1950er Jahre zurückgehen. Der westdeutsche Kanzler Konrad Adenauer saß fest im Sattel, die Wirtschaft florierte, keine Krise war in Sicht. Die Bundesrepublik gehörte seit 1955 zur NATO, die ersten Rekruten waren eingezogen, und man betrieb die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomsprengköpfen (angeblich nur eine »Weiterentwicklung der Artillerie«, so Adenauer). 1956 nahmen die Regierungsparteien eine Notstandsgesetzgebung in Angriff, um für einen eventuellen Kriegsfall gerüstet zu sein – so sollte, wie es hieß, eine »Lücke im Grundgesetz« geschlossen werden. Die bislang oppositionelle SPD strich 1960 die Segel: Sie akzeptierte die Remilitarisierung und den NATO-Beitritt, legte ihre auf Kooperation basierenden deutschlandpolitischen Pläne zu den Akten und beschränkte sich auf die Reform des Kapitalismus. Damit gab es im Bundestag prakt...

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