03.07.2018 / Feuilleton / Seite 11

Zweifache Täuschung

Die Dresdner Semperoper zeigt Einakter von Igor Strawinsky und Luigi Dallapiccola

Kai Köhler

Die Götter sind erbarmungslos. Sie lassen ein Orakel verkünden, der kleine Ödipus werde seinen Vater erschlagen und seine Mutter heiraten. Alle Versuche der Menschen, das Übel zu vermeiden, führen zum Gegenteil. Das Kind wird ausgesetzt, entgeht aber dem Tod. Der Heranwachsende entflieht den vermeintlichen Eltern, bloß um ohne sein Wissen die Prophezeiungen zu erfüllen und König in seiner Geburtsstadt zu werden. Seine Nachforschungen, wer seinen Vorgänger getötet hat, führen ihn zur Erkenntnis, dass er der Vatermörder und damit Gatte seiner Mutter ist. Er wollte alles sehen und sticht sich die Augen aus.

Sophokles verhandelte in seiner antiken Tragödie die Frage nach den Handlungsmöglichkeiten des Menschen gegenüber göttlicher Bestimmung. Im 20. Jahrhundert wurde weniger an allmächtige Götter geglaubt, die Frage stellte sich anders. 1927 wurde Igor Strawinskys »Oedipus Rex« uraufgeführt, ein »Opern-Oratorium« und damit eine Mischform. Es gibt eine – äußer...

Artikel-Länge: 5374 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    18,60 Euro/Monat Soli: 23,60 €, ermäßigt: 11,60 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    39,60 Euro/Monat Soli: 49,60 €, ermäßigt: 28,60 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe