28.05.2018 / Schwerpunkt / Seite 3

»Ein NSU war damals unvorstellbar«

Verstrickung des Staates in Neonazistrukturen nahm in den 90ern ihren Anfang. Ein Gespräch mit Oliver Ongaro

Markus Bernhardt

Der von Neofaschisten verübte Brandanschlag von Solingen, bei dem fünf Menschen starben, jährt sich zum 25. Mal. Welche Erinnerungen haben Sie an die damaligen Ereignisse?

Es war Samstag mittag, als eine Freundin mich anrief: In Solingen habe es gebrannt, fünf türkische Menschen seien tot, die Täter seien wohl Neonazis gewesen. Wir waren alle furchtbar geschockt. Wir haben sofort herumtelefoniert, uns mit anderen Gruppen verabredet. Erst kurze Zeit zuvor hatten wir den »Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen aus Düsseldorf und dem Umland« ins Leben gerufen. Als wir in Solingen ankamen, waren schon Hunderte von Menschen auf der Straße und auf dem Weg zum ausgebrannten Haus, um ihre Solidarität mit den Opfern zu bekunden. Wir standen dann vor dem Haus – entsetzt, traurig und unheimlich wütend. Dann kam der damalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters, CDU, und wir haben alle gerufen: »Seiters soll sich verpissen, die Morde gehen auf sein Gewissen«.

K...

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