05.04.2018 / Thema / Seite 12

Dämonen geweckt

1968 in Polen: Ein Machtkampf, der aus dem Ruder lief. Eine »antizionistische« Kampagne sichert kurzfristig die Macht von Parteichef Wladyslaw Gomulka. Um den Preis der Aktivierung des Antisemitismus und der Abwendung der Intelligenz vom Sozialismus

Reinhard Lauterbach

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Parallelität: Nicht nur in der BRD begann »1968« als politisches Phänomen im Sommer 1967, auch in Polen war das der Fall. Doch was in Westdeutschland nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg wie ein Aufbruch hin zu einer kritischeren Öffentlichkeit aussah, bildete in Polen den Auftakt zu einer dauerhaften Rechtswendung des Systems und der Gesellschaft.

Nicht Grund, aber Auslöser dieser Veränderungen war der Sechstagekrieg Israels gegen seine arabischen Nachbarn im Juni 1967. Er führte in der polnischen Öffentlichkeit zu Reaktionen, die der regierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) aus geopolitischer Bündnisraison nicht recht sein konnten. Schließlich war die Führungsmacht des sozialistischen Lagers, die UdSSR, mit Israels arabischen Gegnern verbündet. Und die polnische Öffentlichkeit stellte sich spontan auf die Seite Israels. Im Nahen Osten habe »eine moderne, professionelle Armee« gegen einen »Haufen...

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