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23.02.2018 / Feuilleton / Seite 10

»Ungetrennter Phrasenmüll«

Ulf Kadritzke entzaubert den Mythos »Mitte«

Jakob Hayner

»Mittelstand: Gesellschaftsschicht, der, seitdem es sie nicht mehr gibt, alle anzugehören glauben«, fasste der Schriftsteller Richard Schuberth die eigentümliche Gestalt einer der wichtigsten Mythen der bürgerlichen Alltagswelt zusammen. Der Soziologe Ulf Kadritzke hat dieses Zitat dem ersten Abschnitt seiner Untersuchung »Mythos ›Mitte‹ oder Die Entsorgung der Klassenfrage« vorangestellt. Es verdeutlicht das Erkenntnisinteresse, das der kurzen, aber sehr lesenswerten Schrift zugrunde liegt: Verständnis der ideologischen Funktion einer hartnäckigen Illusion des Alltagsverstandes, aber vor allem auch der sozialwissenschaftlichen Forschung. Wenn man den Schlagzeilen Glauben schenken mag, gehört die sogenannte gesellschaftliche Mitte gegenwärtig zu einer besonders schützenswerten Spezies. Doch was verbirgt sich hinter der Rede von der bedrohten Mitte?

Der Begriff ist ohne konkreten Inhalt, aber mit großer Suggestivkraft, fasst Kadritzke zusammen. 1897 wurde ...

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