21.02.2018 / Thema / Seite 12

Spiel mit dem Pogrom

Vor 50 Jahren rief der Westberliner Senat in Reaktion auf die Vietnam-Demonstration des SDS zu einer »Freiheitskundgebung« auf – es kam zu massiver Gewalt gegen »rote Studenten« (Teil 1)

Hannes Heer

Der 2. Juni 1967 sollte sich als der entscheidende Einschnitt in der bisherigen Geschichte der Bundesrepublik erweisen. An diesem Tag erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras am Rande einer Demonstration den Studenten Benno Ohnesorg. Für Jürgen Habermas, Jahrgang 1929, war dieses Datum erinnerungswürdig, weil an diesem Tag »die Gefahr (…) einer manifesten Erschütterung der Demokratie in unserm Lande für jeden Bürger, der lesen kann und der nicht willentlich die Augen schließt, drastisch sichtbar geworden ist«. Der Schriftsteller Peter Schneider, der zu den im Krieg oder unmittelbar danach Geborenen gehörte, hat die Folgen dieses Tages für seine Generation so beschrieben: »Mit Kurras’ Schuss, so schien es, hatten sich zwanzig Jahre Versäumnis, Beschwichtigung und Geschichtsvergessenheit zu einer einzigen Untat verdichtet. Aus Ahnungen und einem vagen Unbehagen wurde gezieltes Misstrauen, aus Misstrauen wurde Zorn, aus Zorn wurde schließlich Hass. Aus ein pa...

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