24.02.2018 / Thema / Seite 12

Vormärz an der Moldau

»Prager Frühling«. Impressionen aus der tschechischen Metropole fünfzig Jahre nach dem Versuch, den Sozialismus auf eine neue Stufe zu stellen

Gerd Schumann

I.

In Bertolt Brechts Stück »Schweyk im Zweiten Weltkrieg« von 1944 stellt Baloun, Freund des von der SS verhafteten Hundefängers und hintersinnigen Spötters Schweyk, die bange Frage: »Großer Gott, was wird werden?« Frau Kopecka, Wirtin der Gaststätte »U Kalicha« (Zum Kelch), antwortet: »Wirf einer ein Zehnerl in das Klavier. Ich wer euch sagn, was werden wird.« Ein Gast wirft eine Münze in das elektrische Klavier. Ihre Gläser spülend, singt Frau Kopecka »Das Lied von der Moldau«.

Ja, die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag – und doch bedeutet Geschichte zuallererst: nicht vergessen. Der erste Weg nach Ankunft in Prag führt uns folglich in die Pinkasova Synagoga (Pinkas-Synagoge) am Alten Judenfriedhof der Josefstadt. An deren Wänden stehen in langen Buchstabenkolonnen 77.297 Namen – Namen von Menschen jüdischer Herkunft, die die deutschen Faschisten in den Besatzungsjahren (15.3.1939–9.5.1945) ermordet haben.

Verschleppt nach Terezin...

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