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08.02.2018 / Feuilleton / Seite 10

»Schalt alles ab!«

Der dystopische Science-Fiction-Comic »Tokyo Ghost« erzählt vom Aufstand gegen die Technisierung

Michael Streitberg

Elektronische Opiumhöhlen, Menschen im virtuellen Wachkoma und ein Internetkonzern, der sich die Erde Untertan gemacht hat: Die US-Metropole Los Angeles, die Rick Remenders Science-­Fiction-Comic »Tokyo Ghost« als Schauplatz dient, gleicht im Jahr 2098 einem digitalisierten Höllengemälde.

Das, was einmal die Wirklichkeit war, ist den über Körperimplantate ständig mit dem Internet verbundenen Stadtbewohnern schon lange abhanden gekommen. Die allmächtige Flak Corporation – die an eine brutalisierte Mischung aus Facebook, Apple und Youtube erinnert – liefert den Stoff, der am Nachdenken und Aufbegehren hindert: eine dröhnende, neonfarbene Kakophonie aus parallel herunterratternden Newsfeeds, blinkenden Werbeanzeigen, Fernsehshows und hohlen Propagandaphrasen.

Schon nach wenigen Seiten liegen Abscheu und Faszination nahe bei­einander: Zeichner Sean Murphy und Kolorist Matt Hollingsworth erwecken den blinkenden Moloch und seine Bewohner mit leuchtenden, ausdru...

Artikel-Länge: 4562 Zeichen

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