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27.01.2018 / Geschichte / Seite 15

Geist geistloser Zustände

1918 trennten die Bolschewiki Staat und Kirche in Russland

Reinhard Lauterbach

Die Allianz von Staat und Kirche, die die Bolschewiki mit ihrem Dekret vom 2. Februar 1918 aufkündigten, war enger als das »Bündnis von Thron und Altar«, wie es zum Beispiel in Preußen herrschte. Denn ihr fehlte als Korrektiv die vom Protestantismus ebenfalls proklamierte individuelle Gewissensfreiheit.

Die Christianisierung der alten Rus durch die Taufe ihres Herrschers Wladimir im Jahre 987 war zunächst einmal eine recht pragmatische Sache. Das Christentum war die herrschende Religion des entstehenden Feudalismus in Europa; es war für einen ebenfalls gerade erst entstehenden Staat wie die Rus nicht ratsam, sich dieser Religion zu entziehen. Blutige »Missionskriege« im Zentrum des Kontinents – etwa die völkermordähnlichen Feldzüge Karls des »Großen« gegen die »heidnischen« Sachsen – machten deutlich, was der Preis der Nichtunterwerfung unter den Trendgott der Zeit sein würde.

»Drittes Rom«

Die entscheidende christliche Großmacht im Osten Europas war Ende...

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