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20.01.2018 / Thema / Seite 12

Kritik des Falschen

Vor 25 Jahren starb der Mitbegründer der Kritischen Theorie Leo Löwenthal. Als Nestor der Literatursoziologie und Erforscher des Rechtspopulismus hat er noch heute Bedeutung

Arnd Beise

»Wie kann man leben, ohne Shakespeare zu lesen?« fragte er gern. Bekannt wurde Leo Löwenthal, der Jura, Mathematik und Sozialwissenschaften studiert hatte, durch seine Arbeiten zur Massenkultur seit dem 18. Jahrhundert und zum bürgerlichen Bewusstsein in der Literatur der Neuzeit, zum Antisemitismus sowie zur autoritären Ideologie. In seinen letzten Lebensjahren galt Löwenthals Interesse hauptsächlich der geisteswissenschaftlichen Postmoderne, deren inhärenten Konformismus er deutlich sah und anprangerte, weil mit der Aufgabe des Begriffs der Wahrheit jeglicher Kritik die Spitze genommen sei.

Zwar ist sein Œuvre, verglichen mit dem seiner Kollegen vom Frankfurter Institut für Sozialforschung, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer oder Herbert Marcuse, eher schmal, doch öffnet es den Blick auf einen geistigen Horizont, der so weit ist wie jener der Genannten. Leo Löwenthal war 1926 zu dem Kreis um Max Horkheimer gestoßen und seither eine der Hauptstützen de...

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