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18.01.2018 / Feuilleton / Seite 11

Des Fremden Freundlichkeit

Ein Buch mit Szenen aus dem Leben eines tamilischen Herzchirurgen in Hamburg

Detlef Grumbach

Ein »Kampf der Kulturen« blieb aus, als Umeswaran Arunagirinathan seine Eltern wiedersah. Das war 2006 bei seiner Schwester in London. Die Eltern hatten ihn 17 Jahre zuvor von Sri Lanka aus nach Hamburg geschickt, wo ein Onkel lebte. Die Flucht des Zwölfjährigen war von Schleppern organisiert, ansonsten war er auf sich gestellt. Seit sieben Jahren herrschte damals Bürgerkrieg in dem vor Indien gelegenen Inselstaat.

Beim Wiedersehen in London ist Umes, wie er überall kurz genannt wird, 29, und sein Vater siezt ihn. Der Vater erweist dem Sohn Respekt, nicht umgekehrt. Und auch dem Schwiegersohn, dem er noch einen Teil der hohen Mitgift schuldet. Dieser Gastgeber behandelt seine Gattin wie einen Besitz, schlägt sie und schikaniert seine Schwiegermutter. Mitten in London ist Umes plötzlich gefangen in einer Kultur, in der Zwangsehen die Regel und Frauen nichts sind. Umes schweigt, stellt nicht einmal Fragen – den Ohrsticker, der ihn als schwul hätte verraten ...

Artikel-Länge: 3684 Zeichen

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