11.01.2018 / Inland / Seite 4

»Mein Vater wäre heute 56«

NSU-Prozess: Sohn des ersten Mordopfers hält bewegendes Plädoyer

Christiane Mudra

Als sein Vater ermordet wurde, war Abdul Kerim Simsek 13 Jahre alt. Ein Lehrer seines Internats weckte ihn an dem Septembertag im Jahr 2000 frühmorgens und sagte: »Du musst nach Nürnberg fahren. Verwandte werden Dich abholen.« Dort angekommen, erfuhr er, dass sein Vater Enver Simsek auf der Intensivstation liege, seine Mutter habe nur geweint. Er berichtet von der Angst der Familie, der Täter würde zurückkommen und seine Tat zu Ende bringen wollen. Auf einen Besuch am Krankenbett hätten sie stundenlang gewartet. Als die Familie den Vater endlich sehen durfte, sei der Anblick schrecklich gewesen. »Sein linkes Auge war zerfetzt. Er hatte drei Löcher im Gesicht und drei in der Brust«, erinnerte sich Abdul Kerim Simsek am Mittwoch in seinem Schlussvortrag als Nebenkläger im Münchner NSU-Prozess.

Seine Mutter hielt die Hand seines Vaters, dann piepten die Maschinen, und die Krankenschwestern stürzten herbei. »Das war das letzte Mal, dass ich ihn lebend gese...

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