22.12.2017 / Feuilleton / Seite 11

Der Bestätigungsfehler

Was uns nicht passt, wird im Hirn passend gemacht: Ein Buch über die verbreitete Neigung zur Unvernunft

Frank Ufen

Man nehme 48 Probanden, je zur Hälfte Gegner und Anhänger der Todesstrafe, und lasse sie zwei »wissenschaftliche Analysen« durcharbeiten. Die eine Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Hinrichtungen abschreckend wirken. Die Befunde der anderen sprechen eindeutig dagegen (manipuliert sind beide, aber das wissen die Testpersonen nicht). Mit diesem Experiment machten US-Sozialpsychologen um Charles Lord in den späten 70ern eine verblüffende Entdeckung: Wer die Todesstrafe von vornherein abgelehnt hatte, lehnte sie anschließend noch entschiedener ab. Und wer sie zuvor befürwortet hatte, tat es nun noch leidenschaftlicher. Die Probanden fanden nur die Analyse überzeugend, die ihre eigene Überzeugung bestätigte, und taten die andere als Machwerk ab.

Vor einigen Jahren haben die israelische Sozialpsychologin und Neurowissenschaftlerin Tali Sharot und ihr Kollege Cass Sunstein ein ähnliches Experiment mit Versuchspersonen durchgeführt, die eine von Menschen ve...

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