21.12.2017 / Thema / Seite 12

Zeitgenosse Böll

Wie kaum ein anderer hat der vor 100 Jahren in Köln geborene Schriftsteller die Zustände in der alten BRD kritisch analysiert. Wer seine Bücher erneut zur Hand nimmt, stößt auf das damals Unerledigte und Verdrängte

Jürgen Pelzer

Heinrich Bölls publiziertes Werk umfasst nahezu genau die vier Jahrzehnte, in denen die alte BRD, die Bonner Republik, existiert hat: 1949, im Gründungsjahr, erscheint seine erste größere Erzählung (»Der Zug war pünktlich«), 1985 sein letzter Roman (»Frauen vor Flusslandschaft«), unverkennbar eine Art melancholischer Abgesang. Das Riesenwerk, das Böll hinterlassen hat1 – neben Romanen, Erzählungen, Kurzgeschichten, Hörspielen eine Vielzahl publizistischer Arbeiten und Interviews – ist im Zusammenhang mit der höchst widersprüchlichen Entwicklung der westdeutschen Republik zu sehen. Böll selbst hat sein Schreiben als Ausdruck von Zeitgenossenschaft verstanden und dem damit verbundenen Anspruch zu genügen versucht, seine gesellschaftlichen Erfahrungen literarisch zu verarbeiten und darüber hinaus eine bestimmte Haltung, eine Schreibhaltung, zu entwickeln – etwas, was sonst allenfalls Heinrich Mann, Bert Brecht, Anna Seghers oder Peter Hacks gelungen ist. Wer...

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