23.10.2017 / Feuilleton / Seite 10

Wie werde ich Faschist?

Chris Kraus beschreibt in »Das kalte Blut« Holocaust und Nachkriegszeit aus Täterperspektive

Matthias Reichelt

Mit seinem grandiosen, tragikomischen Film »Die Blumen von gestern« (2016) ließ Chris Kraus die traumatisierte Enkelgeneration von Tätern und Opfern des Holocaust in einer Liebesgeschichte aufeinanderstoßen. Der Film polarisierte und wurde von den hiesigen Feuilletons verrissen. Ähnlich harsche Kritik erntete Kraus für seinen von der eigenen Familiengeschichte inspirierten 1.200-Seiten-Roman »Das kalte Blut«. Wie der Film behandelt auch dieser die NS-Vergangenheit und ihr Nachwirken bis in die Gegenwart.

1974 in einem Münchener Krankenhaus: Konstantin Solm, kurz Koja, teilt sein Zimmer mit dem pazifistischen Hippie Basti und erzählt dem Bettnachbarn seine bizarr verwirrende Geschichte. 1909 wird er als zweiter Sohn einer baltendeutschen Familie in Riga geboren. Die Solms, infiziert vom lettisch gefärbten Antisemitismus, hatten unter den Bolschewiki gelitten, was sie für die Propaganda lettischer und deutscher Faschisten empfänglich macht. Während Koja sic...

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