06.10.2017 / Feuilleton / Seite 10

Schwul, stolz und glücklich

Der Spielfilm »Tom of Finland« ist eine Hommage an die Ikone der homosexuellen Popkultur – und ein finnischer Mainstreamerfolg

Sabine Matthes

Im Zweiten Weltkrieg hieß Tom of Finland (1920–1991) noch Touko Laaksonen. Er kämpfte im Winterkrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion 1939/40. Er erstach einen sowjetischen Fallschirmspringer, der jung und schön gewesen sein soll, »wie ein Engel in Uniform«. Dies ist eine Schlüsselszene im Film »Tom of Finland« von Dome Karukoski.

Im Lebens des Künstlers gewann der tote Soldat eine diffuse Präsenz, gleichsam als Motor seines Schaffens. Seine Muse, die er Nachts immer wieder zum Leben erweckte, wenn er nackt und erregt mit dem Zeichenstift seine homoerotischen Phantasien auslebte. Einen Fetisch für Leder und Stiefel hatte er bereits vor dem Krieg, danach kamen Uniformen dazu. Ihm waren die Naziideologie und der Rassismus verhasst – dennoch habe er deutsche Soldaten zeichnen müssen, bekannte er einmal, denn »sie hatten die geilsten Uniformen«.

Diese ästhetische Vorliebe aber war nicht der Tabubruch, sondern dass er es überhaupt wagte, hypersexuali...

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