08.09.2017 / Feuilleton / Seite 11

Wellenreiten auf dem Abflussrohr

Das »3. Berlin Circus Festival« war ein Plädoyer für die Anerkennung des Zirkus als Kunstform

Su Tiqqun

Lange bevor Tanz und Theater als Kunstformen etabliert waren, gab es die physische Intelligentsia, die skurrilen Vaganten, das fahrende Volk: Ihr Können war unheimlich. Sie wurden marginalisiert. Inzwischen ist die ästhetische Verwertung des Körpers alltäglich, doch noch immer zählt die Urform der physischen Zurschaustellung, der Zirkus, hierzulande nicht zu den angesehenen Künsten. Er wird kaum gefördert, nicht subventioniert, er hat keine Fürsprecher in der Politik.

Zirkus wird noch immer gleichgesetzt mit den Ultra-Zirkusrevuen eines Cirque du Soleil aus Kanada, der sich jene kunstfeindliche Schicht einverleibt, die akrobatische Kunstwerke erst in ihrer industrialisierten Gestalt erkennt, obwohl es unverfälschte Zirkuskunst in Deutschland gibt. Doch das Stereotyp, das den Zirkus als Ritual extremer Körperdressuren herabsetzt, ist so hartnäckig wie des Deutschen Stumpfsinn. Weshalb das Wort »Zirkus« mit Attributen aufgeladen wird. Er soll neu sein, kont...

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