29.06.2017 / Feuilleton / Seite 10

Säure der Verzweiflung

Tabula Rasa als Konzept: Zum Gedichtband »Penfields Traum« von Kai Pohl

Su Tiqqun

Der Dichter Bert Papenfuß unkte einst, dass Kai Pohl vehement die Art kompromittiere, wie man Gedichte nicht machen sollte. Damit traf er unwillentlich den empfindlichen Kern der Pohlschen Überproduktion, die ihre sprachlichen Fallen dort auslegt, »wo es am dunkelsten ist«, wo das »fieberhaft deklamierte Ende der großen Erzählungen ein Zombieleben lebt«, und wo »das Blaue vom Himmel verquast«. Der Versverstricker und Zitatmixer Pohl schenkt sich nichts. Er ackert ohne Schwerstarbeiterzulage in den Gehegen der Parfümpoeten und entzaubert ihre wohlriechenden Reimblasen. Dafür wird man nicht geliebt.

Kai Pohl entzieht »ausgezeichneten« Lyrikern, die den Literaturbetrieb besäuseln, den Lieblichkeitsimpetus und covert den »freien« Dichtern der Prenzlauer Berg-Connection die Texte neu, als wolle er sich auf diese Weise mit ihnen vermählen. Vor literarischem Urgestein macht er auch nicht Halt. Dass er dabei schon Erdachtes remontiert und Tabula rasa macht, war vo...

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