07.06.2017 / Thema / Seite 12

Historiker und Kommunist

Am 15. Mai 2017 ist Kurt Gossweiler mit 99 Jahren in Berlin verstorben. Er gehörte zu den bedeutendsten Faschismusforschern der DDR. Nach 1990 befasste er sich mit dem Revisionismus – ein Nachruf

Jürgen Lloyd

»Tatsachen stehen höher als jede noch so autoritative Äußerung!« Zu diesem Leitsatz seiner wissenschaftlichen Arbeit bekannte sich Kurt Gossweiler in der Dankesrede, die er anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität im Jahr 1988 hielt. Der Leitsatz wurde sein Mittel gegen die Gefahr, irgendwelche Geschichts- oder Gegenwartsdeutungen unkritisch hinzunehmen. Der marxistische Historiker begründete diesen Satz aus einer Fragestellung: Kann das »De omnibus dubitandum«, die Forderung, an allem zu zweifeln, die Karl Marx als seinen Lieblingsspruch seinen Töchtern aufgeschrieben hat, auch bedeuten, am Marxismus zu zweifeln? Ist solcher Zweifel vereinbar mit Lenins Urteil vom Marxismus, der allmächtig sei, weil er wahr sei? Der Leninist Gossweiler antwortete: »Der Marxismus bleibt nur allmächtig, wenn er wahr bleibt, und er bleibt nur wahr, wenn er mit dem Leben Schritt hält. Das Leben – die Tatsachen – sind oberste Instanz.« Und Gossw...

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