20.05.2017 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

»Wider den Wucher zu predigen«

Martin Luther verurteilte wütend den Zins. Für Karl Marx war er ­deshalb der »älteste deutsche Nationalökonom«

Konrad Lotter

Das 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr steht ganz im Zeichen der Aussöhnung der beiden christlichen Großkirchen. So groß sind die äußere Konkurrenz (etwa durch die Verbreitung des Islam in Europa) und der innere Niedergang (durch die steigende Zahl von Kirchenaustritten), dass die ehemals Verfeindeten zusammenrücken und den Schulterschluss suchen. Kaum eine Rolle in der gegenwärtigen Erinnerung an die Reformation spielt dagegen das, was jeder weiß, der es wissen möchte: Luthers Verdienste um die deutsche Sprache und die Aufklärung auf der einen, sein Hass auf die Juden oder auf den radikaleren Reformator Thomas Müntzer und die revoltierenden Bauern im Jahre 1525 auf der anderen Seite. Nahezu vergessen sind dagegen Luthers Ansichten über die Nationalökonomie. Kein Geringerer als Karl Marx würdigt ihn wiederholt, ausführlich und überwiegend zustimmend, als den »ältesten deutschen Nationalökonomen«1. Dabei bezieht er sich vor allem auf zwei Schriften L...

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