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20.05.2017 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Endlich erkennen sich die Jesiden wieder selbst«

Gespräch mit Zerdest Derwis. Über den Übergang einer Philosophie zur Religion, die Vertreibung der Jesiden und den Aufbau eigener Strukturen

Peter Schaber

In Deutschland ist die Bevölkerungsgruppe der Jesiden erst durch den Angriff des »Islamischen Staates« – im Nahen Osten auch abschätzig Daesch genannt – im August 2014 ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Seitdem weiß man, dass es sich um eine Religionsgemeinschaft handelt. Viel mehr ist allgemein aber nicht bekannt.

Die Region Sengal (kurdischer Name für Sindschar im Irak, jW) wird als Hauptsitz der Jesidinnen und Jesiden betrachtet, weil der größte Bevölkerungsanteil sich hier befindet. Der jesidische Glaube ist sehr alt, und er ähnelte zunächst eher einer Philosophie als einer Religion. Erst mit der Zeit hat das Jesidentum einen religiöseren Charakter angenommen. Vor allem, weil wir seit mehr als tausend Jahren unter islamischem Einfluss leben.

Die Grundlage des Jesidentums stellte in früheren Zeiten den ursprünglichen Glauben der Kurden dar. Im Zentrum der Überzeugungen steht Tausi Melek, der Engel Pfau. Er verkörpert das Gute in der Natur wie auch in ...

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