19.05.2017 / Feuilleton / Seite 11

Nur eine brennende Statue

Terrorjugend im Luxuskaufhaus: Bertrand Bonellos Film »Nocturama«

André Weikard

Viel ist geschrieben worden über »Nocturama«, den jüngsten Film des Franzosen Bertrand Bonello. Ein Werbevideo für Terrormilizen sei das, eine Hipsterversion von Revolte, ein verpoppter Gewaltexzess. Wer sein Publikum so in Aufregung versetzt, hat wohl schon irgendwas richtig gemacht. »Nocturama« beginnt ganz unaufgeregt. Jugendliche trotten durch Paris. Jeder einzeln, jeder auf seiner Mission. Sie schleichen durch die Metro, werfen einander, wenn sie sich über den Weg laufen, verschworene Blicke zu, mieten sich in Hotels ein, tragen Pakete unter dem Arm, lassen ihre Handys im Mülleimer verschwinden. Immer wieder Blicke auf die Uhr. Der gemeinsame Plan bleibt rätselhaft wie das Gewirr auf einem Ameisenhaufen. Bis die ersten Schüsse fallen, Bomben detonieren. Da läuft der Film bereits eine knappe Stunde.

Bonello ist ein Meister des Tempowechsels und der Verzögerung. Statt das Drama um die Teenieterroristen zu einem Höhepunkt zu führen, beginnt das bange War...

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