05.05.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

»Doch kein Hurra-Geschrei brauste auf«

Heinz Keßler erinnerte sich in seiner Autobiographie an den Vorabend des Überfalls auf die Sowjetunion. Auszüge aus »Zur Sache und zur Person« (edition ost, Berlin):

Ende Januar 1941 wurden wir von Passau nach Tschenstochau ins besetzte Polen verlegt. Ich hatte schon vorher von widerwärtigen Demütigungen und Gewaltmaßnahmen gegen die Bevölkerung besetzter Länder gehört, dennoch machte diese blamable Massenerscheinung auf offener Straße, die so fatal an das Nazilied »Die Straße frei den braunen Bataillonen!« erinnerte, den krassen Unterschied zwischen Besatzern und Besetzten, zwischen »Herrenmenschen« und »Untermenschen« brutal sichtbar, dass es jeden erschrecken musste. Das Schlimmste schien mir, dass auch die jüngsten Soldaten, selbst die noch nicht voll ausgebildeten Jungen aus Chemnitz und Magdeburg, diese Möglichkeit, Menschen zu demütigen, sofort praktizierten, als hätten sie es immer schon getan. (...)

Ich war erleichtert – fast hätte ich gesagt froh ...

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