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25.04.2017 / Feuilleton / Seite 10

Rot-Front-Tourismus

Helmut Höge

Die letzten Reste des Sozialismus werden jetzt touristisch vermarktet, zumal wenn ihnen etwas Dissidentisches anhaftet: Am Rand des früheren sowjetischen Territoriums liegt z. B. das von Kirgistan-Touristen gerne besuchte Dorf »Rot-Front« nahe der Hauptstadt Bischkek. Einst hieß es »Bergtal«, mit der Kollektivierung der Landwirtschaft wurde es in »Kolchose Rot-Front« umbenannt. Aus Protest gegen die Kollektivierung war es zuvor im gesamten »Deutschen Bezirk«, der mehrere Dörfer umfasste, zu einem Massenaufstand der Mennoniten gekommen.

Diese Freikirche geht auf den niederländischen Reformator und Täufer Menno Simons aus dem 16. Jahrhundert zurück. 1934 wurde die mennonitische Kolchose »Rot-Front« der »konterrevolutionären Sabotage« bezichtigt, weil sie nicht genug Getreide produzierte. Neun ihrer Mitglieder wurden verurteilt. 1991 wurde der Deutsche Nationalrajon Asowo in den früheren Grenzen wiederhergestellt. Es gibt dort inzwischen Betriebe der Verarbei...

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