22.04.2017 / Ausland / Seite 6

Eine Parlamentswahl ohne Wähler

Nur wenige Algerier wollen am 4. Mai zu den Urnen gehen

Sofian Philip Naceur

Die immer wieder gern bemühte Phrase »Stell dir vor es sind Wahlen, und keiner geht hin« droht in Algerien abermals bittere Realität zu werden. Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren, doch das Interesse der algerischen Bevölkerung, am 4. Mai über neue Abgeordnete für das Parlament abzustimmen, ist gering. Wahlbereite Menschen zu finden ähnelt der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Denn kaum jemand macht sich Illusionen über den Ausgang der Wahl oder konkrete Verbesserungen der politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Lage im Land durch einen Urnengang.

Entsprechend sarkastisch reagieren die Menschen auf die Frage, ob sie planen, ihre Stimme abzugeben, und um so intensiver werben die Regierungsparteien für eine hohe Wahlbeteiligung, droht die politische Klasse des Landes doch durch eine niedrige an Legitimität einzubüßen. Betroffen sind auch regimenahe Oppositionsparteien, die sich der herrschenden Klasse als politisches Feigenblatt andienen.

Die Favorit...

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