18.04.2017 / Feuilleton / Seite 10

Kunst und Geschäft

Helmut Höge

»Das Problem bei Pflanzen war immer: Du willst Verhaltensforschung betreiben, aber wie soll das gehen, wenn es kein Verhalten zu beobachten gibt?« – so fasste der englische Molekularbiologe Anthony Trewavas rückblickend die Probleme seiner Wissenschaft zusammen. Doch dann brachte die Filmtechnik des »Zeitraffers« die biologische Beoabachtung voran: 1926 kam damit »Das Blumenwunder« von Max Reichmann in die Kinos. Diese Pflanzenaufnahmen wurden von über 70.000 Zuschauern goutiert.

Der philosophische Anthropologe Max Scheler schrieb seiner Frau, er hätte im Kino fast geweint: »Man sieht die Pflanzen atmen, wachsen und sterben. Der natürliche Eindruck, die Pflanze sei unbeseelt, verschwindet vollständig. Man schaut die ganze Dramatik des Lebens – die unerhörten Anstrengungen. Am schönsten waren die Ranken ...« Der andere philosophische Anthropologe Helmuth Plessner war da gegenteiliger Ansicht: »Natürlich macht es Eindruck, wenn man im Film die Bewegungen etw...

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