18.03.2017 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Meine Frau musste zurückstecken«

Gespräch. Mit Egon Krenz. Über seine Ehe, Protokollverpflichtungen der Mitglieder des Politbüros und Spannungen zwischen Honecker und Gorbatschow

Frank Schumann

Der freundliche Italiener am Markt im mecklenburgischen Ribnitz gibt unfreiwillig Thema und Tonalität unseres Gespräches vor, das zum 80. Geburtstag von Egon Krenz geführt werden soll. Im »Paganini« haben Erika und Egon Krenz Silvester gefeiert. »Wie geht es Ihrer Frau?« erkundigt der Wirt sich teilnahmsvoll, weil er gehört hatte, dass sie im Krankenhaus liegt. »Sie ist am Samstag gestorben«, sagt Krenz und wendet sich ab. Sein Gesicht unter den weißen Haaren wirkt noch eine Spur fahler. »Oh«, sagt der Italiener betroffen und bekundet sein aufrichtiges Beileid.

Wie lange waren Sie verheiratet?

Am 8. April wären es 56 Jahre gewesen. Am 4. März ist Erika aber verstorben. Erst fünf Wochen zuvor war die tödliche Krebsdiagnose gestellt worden.

Wann haben Sie sich kennengelernt?

Ende der 50er Jahre. Ich war 2. Sekretär der FDJ-Kreisleitung auf der Insel Rügen, sie ehrenamtlicher FDJ-Sekretär am Lehrerbildungsinstitut in Putbus. Dort hatte ich von 1953 ...

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