11.03.2017 / Thema / Seite 12

Vom deutschen Mandarinentum

Ernst Robert Curtius und die Romanistik während der Nazizeit

Peter Jehle

Hans-Otto Dill schrieb vor kurzem an dieser Stelle, die Romanistik sei »niemals schwer durch faschistische Protagonisten belastet« gewesen, und einige Zeilen weiter, es habe »unter den deutschen Romanisten viele willfährige Nazianhänger« gegeben, »die das Regime mit Wort und Schrift unterstützten« (junge Welt, 12.8.2016). Wie nun – kaum wirklich Belastete und gleichwohl zahlreiche Anhänger des Faschismus? Ist eine Anhängerschaft, die sich vor allem in »Wort und Schrift« bekundete, als weniger »belastet« einzustufen?

Vermutlich wollte Hans-Otto Dill dies nicht sagen. Wer sich mit der Geschichte der Romanistik in der Nazizeit beschäftigt, kommt eben um die Frage nicht herum, welche Rolle die Spezialisten für Wort und Schrift, die Kenner fremder Sprachen, die in weitgespannten Netzwerken sich bewegenden Vertreter deutscher Universitäten und iberoamerikanischer Institute in dem Europa spielten, das militärisch erobert, »rassisch« homogenisiert und kulturell na...

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