03.03.2017 / Thema / Seite 12

Abschied vom Traumland

Vor 25 Jahren erklärten die Vertreter von Bosniaken und Kroaten Bosnien-Herzegowina für ­unabhängig – auf Geheiß des Westens und gegen den ­einhelligen Willen der dort lebenden Serben. Der Krieg begann

Gerd Schumann

Wer sich an das multikulturelle Bosnien und Herzegowina erinnert, möge es tun – schon allein um einer besseren Zukunft willen. Frei von Dünkel und unbenommen von Herkunft und Religion lebten die Menschen zusammen. Das entsprach dem multiethnischen Charakter der Gesellschaft. »Mischehen«, wie sie genannt wurden, machten in den 1980ern etwa ein Drittel aller Vermählungen aus, Tendenz steigend. »Kaum einer« habe damals gewusst, »ob der Nachbar ein Serbe, ein Moslem oder ein Kroate war«, konstatiert das Schweizer Journal 21 (31.1.2013) – und kommt letztlich zum doch resignativ klingenden Fazit, dass die Zeit für die Schaffung einer südslawischen Gemeinschaft nicht ausreichte. »73 Jahre waren nicht genug, um sich zu verschmelzen. Vielleicht hätte Tito 500 Jahre leben müssen, damit sein Traum vom vereinten Jugoslawien Wirklichkeit würde.« Aus war der Traum des jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito spätestens mit den Bürgerkriegen innerhalb des Vielvö...

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