18.02.2017 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Aus Wohltätigkeit muss politisches Handeln werden«

Gespräch mit Klaus Jünschke. Über Isolationsfolter, einen Klassenkampf, den die Linke nicht erkennt, und nötige Veränderungen in Willkommensinitiativen

Markus Bernhardt

Sie waren wegen Ihrer Mitgliedschaft in der RAF von 1972 bis 1988 in Haft und sind seit 1995 immer wieder vom Rat der Stadt Köln in den Gefängnisbeirat gewählt worden. Wie haben Sie Ihre Haftzeit wahrgenommen, und wie hat sich dies auf Ihr politisches Engagement ausgewirkt?

Ich war die ersten sieben Jahre in Isola­tionshaft. Im Justizjargon heißt das »strenge Einzelhaft«. Wir haben das damals als Folter skandalisiert und uns mit Hungerstreiks dagegen gewehrt. Heute wird kaum noch abgestritten, dass es Isolationshaft gibt und dass sie menschenunwürdig ist. Nach meiner Entlassung habe ich mit Hilfe von Büchern, Zeitungsartikeln, Vorträgen und Interviews darüber aufgeklärt. Als mich die Kölner Grünen 1995 fragten, ob ich für sie in den Gefängnisbeirat gehen würde, habe ich zugesagt – ohne Mitglied der Partei zu werden. Es gibt immer wieder die Möglichkeit, einzelnen Gefangenen zu helfen, auch solchen in Isolationshaft. Bei einer Gefangenen, die streng abg...

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