11.01.2017 / Schwerpunkt / Seite 3

Obszöne Zurschaustellung

Die Elbphilharmonie in Hamburg ist das Wahrzeichen eines aberwitzigen Wettbewerbs der Metropolen. Heute wird das Konzerthaus eingeweiht

Kristian Stemmler

Von einem »Jahrhundertbau« ist die Rede, von einem »Weltwunder« gar, einem »schillernden Schwan«, einem »magischen Ort«. Das Freudengeheul über die Elbphilharmonie in Hamburg, zu deren Eröffnung Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am heutigen Mittwoch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßen wird, kennt in den bürgerlichen Gazetten des Landes keine Grenzen mehr. In Leitartikeln, Dossiers und Sonderausgaben wird mit Superlativen um sich geworfen.

Vor allem bei den Leib- und Magenblättern des Bildungsbürgertums weiß man sich vor Begeisterung kaum zu halten. Die Elbphilharmonie sei »ein utopischer Raum, der sich in die Wirklichkeit gemogelt hat«, deliriert etwa der Autor Daniel Haas in der Zeit, »dank architektonischer Chuzpe und planerischem Irrsinn, dank narzisstischer Gier und ästhetischem Genie«. Und die Überschrift des Beitrags ist als Befehl zu verstehen: »Lästern war gestern. Jetzt wird gestaunt«, heißt es.

Kritik an de...

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