11.01.2017 / Feuilleton / Seite 14

Rotlicht: Postfaktisch

Niklas Sandschnee

»Postfaktisch« ist das Wort des Jahres 2016. In den vergangenen zwölf Monaten Jahr hat sich vieles zugetragen, was nach Einschätzung der meisten Experten nicht hätte passieren dürfen. Und weil sie es mit ihren im Vorfeld zusammengesuchten »Fakten« nicht deuten konnten, erklärten sie das neue Zeitalter kurzerhand zum postfaktischen. Damit hat man es allerdings weniger verstanden als »wegerklärt«. Das fängt schon bei dem Präfix »post« an, das ja »nach« heißt. Was, so fragt man sich, war denn davor? Das »faktische« Zeitalter? Als der Irak 2003 wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen in Grund und Boden gebombt wurde? Oder als das Geld, das für die sozialen Sicherungssysteme jahrelang angeblich nicht vorhanden war, 2008 für Banken ausgegeben wurde, die sich reichgeschummelt und dann gegenseitig dabei ertappt hatten?

Professoral ließ die Gesellschaft für deutsche Sprache am 9. Dezember verlauten: »Die Jahreswortwahl richtet das Augenmerk auf einen tiefgreifen...

Artikel-Länge: 3885 Zeichen

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich

Jetzt die junge Welt abonnieren und Zugriff auf alle Artikel erhalten!

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe