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06.07.2002 / Feuilleton / Seite 0

Eine Blume im Arsch

Erinnern ist nur möglich, wenn es gelingt, eine Sprache für das Vergessene zu finden. Über Jorge Sempruns »Der Tote mit meinem Namen«

Stefan Broniowski

Jorge Semprún hat, wieder einmal, ein Buch über seine Zeit als Gefangener in Buchenwald geschrieben. »Der Tote mit meinem Namen« erzählt unter anderem davon, wie Semprún Glück hatte: Die kommunistische Untergrundorganisation des Lagers hat einen »passenden Toten« gefunden, einen jungen Mann, der demnächst an Entkräftung sterben wird und dessen äußere Kennzeichen immerhin soweit mit denen Semprúns übereinstimmen, daß man beider Identitäten vertauschen kann, falls, wie zu befürchten ist, der junge spanisch-französische Résistance-Kämpfer unmittelbar bedroht ist. Der Tote soll dann Semprúns Platz einnehmen und Semprún unter dem Namen des Toten weiterleben. »Ich würde nicht jedesmal mit dem Glück rechnen können, das mich zu verfolgen schien. Das im übrigen nicht aufgehört hat, mich zu verfolgen. In Spanien, zehn Jahre später, in der antifrankistischen Illegalität, lief mir das Glück immer hinterher. Auch in Spanien sagte man mir, daß ich Glück hätte, so wie K...

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