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24.12.2016 / Feuilleton / Seite 11

Wohlstand und Obszönität

Wiglaf Droste

Ich saß in der Straßenbahn, ein junges Pärchen stieg zu, Frau wie Mann, nicht unbedingt geschmackvoll, aber sichtlich teuer gekleidet; die Risse in ihren Jeans waren vorproduziert; sie hatten sich teure Lumpen gekauft, weil das très cool war.

Ihrer recht lauthals geführten Unterhaltung war zu entnehmen, dass sie zur Universität unterwegs waren. Ein weiterer Passagier stieg zu, ein älterer Mann in den Sechzigern. Auch seine Hosen wiesen Risse auf, die allerdings nicht precut waren; er ging in schmutziger, schäbiger Kleidung, weil er keine andere besaß. An den Füßen trug er zwei unterschiedliche Schuhe, eine Sandale und einen Halbschuh, und sein Blick senkte sich, kaum dass er Platz genommen hatte, zu Boden.

Das Pärchen, das neben mir und dem neu Hinzugestiegenen schräg gegenüber saß, feixte, tuschelte und kicherte, irgendwann war ein »Voll der Penner, hahaha« zu vernehmen, und ich beschloss, dieses Verhalten als inakzeptabel und widerwärtig zu estimieren. He...

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