24.12.2016 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Nikolausis Bastardsohn

Ari Volovich

Zum ersten Mal erlebte ich die Konsequenzen meiner ethnisch-kulturellen Bürde im Dezember 1981, kurz nach der Ankunft meiner Eltern in Mexiko. Ich war zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alt, und ich erinnere mich noch, wie ich stocksteif vorm Schaufenster des Kaufhauses »Liverpool« stand, meine kleinen Hände ans Glas gepresst, vollkommen in Anspruch genommen vom glitzernden Rotgold der Christbaumkugeln, von dem blinkenden Stern-Schmuck und den farbigen Lichtern des riesigen Tannenbaums, der im Laden stand und mir seine Lichtreflexe ins Auge bohrte wie bunte Lutschstangen. Ich fühlte mich – aus der Rückschau kann man das so sagen – zum ersten Mal in meinem Leben besoffen, denn meine Augen kannten bis dahin nur das sanfte Gelb der Dünen von Aschdod und das tiefe Azur des Mittelmeers, das vor meiner Geburtsstadt lag. Hinter dem Tannenbaum trat mit einem Mal ein unglaublich dicker Mann hervor, der mich zurückschrecken ließ, und schlagartig nahm ich die Hände vo...

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