01.12.2016 / Thema / Seite 12

»Juden raus«

Vor 25 Jahren herrschte unter den Aktionären des Auschwitz-Konzerns IG Farben Freude darüber, wie toll Deutschland zusammenwuchs. Erinnerungen an eine Zeit, in der deren Welt im »Frankfurter Hof« wieder in ihre Ordnung geraten war

Otto Köhler

Acht Hundertschaften der deutschen Lumpenbourgeoisie hatten den erweiterten Festsaal des vornehmen »Frankfurter Hofs« in Besitz genommen an diesem 29. November 1991. Sie mussten vorbei an Polizei und spanischen Reitern, die sie, die Aktionäre der Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG in Abwicklung, kurz IG Farben, vor Demonstranten schützten.

Dieses Steigenberger-Hotel hatte den 800 Aktionären Unterschlupf geboten, nachdem sie drei Monate zuvor von der Frankfurter Messegesellschaft vor die Tür gesetzt worden waren wegen »zunehmender Einwände politischer und gesellschaftlicher Gruppierungen sowie zu erwartender politischer Unruhen«. Die IG-Leute wollten – so feiert man Jubiläen – genau fünfzig Jahre nach der Gründung von IG Auschwitz in der Messehalle ihre Hauptversammlung abhalten, dort, wo im Oktober 1941 die Juden zusammengetrieben worden waren, die zur Vernichtung abtransportiert wurden.

Jetzt, 1991, am vorletzten Novembertag im Ersatzhotel war die S...

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