22.11.2016 / Inland / Seite 2

»Jobcenter gängeln extra, um strafen zu können«

Die Ämter kürzen auch Eltern das Existenzminimum. Auf Kinder nehmen sie meist keine Rücksicht. Gespräch mit Ulrich Wockelmann

Susan Bonath

Die Bundesagentur für Arbeit räumte jüngst ein, dass Familien und Alleinerziehende mit Kindern nicht von Sanktionen verschont bleiben. Rund 2.600 Eltern hatten sie in jedem Monat des vergangenen Jahres das gesamte Existenzminimum verwehrt. Welche Erfahrung haben Sie mit diesem Vorgehen?

Seit der Gründung des Vereins 2009 erlebe ich das immer wieder. Das Jobcenter im Märkischen Kreis schikaniert Eltern nicht minder als andere. Das Ermessen, das Sachbearbeiter ausüben müssen, legen sie fast immer zu Lasten der Betroffenen aus.

Zum Beispiel gibt das Gesetz vor, bei Kindern im Haushalt milder vorzugehen. Bei Sanktionen über 30 Prozent sollen Jobcenter von sich aus Lebensmittelgutscheine anbieten. Das wird hier so gut wie nicht beachtet. Personen, die zu 100 Prozent sanktioniert wurden, beantragen diese oft aus Unwissen nicht. Eine Folge ist dann, dass auch Krankenkassenbeiträge nicht mehr gezahlt werden. Die Kassenvertreter stehen dann vor der Tür, Betroffene r...

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